Politik und die Gestalten der Dummheit

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Politik und die Gestalten der Dummheit

Von Stephan Wehowsky, 23.12.2014

Seinen politischen Gegner für dumm zu erklären, ist naheliegend. Denn sein Treiben könnte in eine Katastrophe führen, die er nicht kommen sieht. Also ist er dumm.

In diversen Medien werden die Anhänger der Pegida-Demonstrationen als Idioten oder Vollidioten tituliert. Tatsächlich ist es bizarr und befremdlich, dass Pegida gegen Muslime demonstriert, die in Dresden, wo diese Bewegung entstand und am stärksten ist, kaum zu finden sind. Und Pegida beschwört deutsche Sitten, deutsches Brauchtum, deutsches Lied und deutschen Klang, die bei genauerer Betrachtung alle möglichen Wurzeln haben, nur keine „genuin deutschen“. Es gibt so gut wie kein deutsches Copyright auf "Volkstum".

Putin, der Führer

Das alles kann man wissen, aber sie wissen es nicht. Das ist denen auch egal, denn es geht ja nicht um vernünftige Argumente, sondern um das Gegenteil: die Wut im Bauch. Es ist diese Wut, die jedes vernünftige Argument vom Tisch wischt. Ist diese Wut erst einmal freigesetzt, ermöglicht sie die aberwitzigsten "Entdeckungen".

Pegida entdeckt zum Beispiel, dass Putin derjenige ist, der wieder Zucht und Ordnung und überhaupt Identität in den Saftladen bringen könnte, zu dem das deutsche Gemeinwesen heruntergekommen ist. Statt Propaganda für die Homoehe und Genderideologie sollen wieder Zucht und Ordnung herrschen. Aus dieser Perspektive wirkt es wie eine glänzende Bestätigung, dass Putin auch den französischen Rechtspopulisten unter Marine Le Pen mit einigen Millionen Euro unter die Arme greift. Putin ist der richtige Führer zur rechten Zeit.

Kein Mangel an Intelligenz

Der Aufstand des Bauches gegen den Kopf ist das, was Intellektuelle am meisten fürchten. Wenn die Vernunft niedergebrüllt wird, schwindet in ihren Augen die Grundlage rationaler Politik. Der Historiker Fritz Stern und der Altkanzler Helmut Schmidt haben diesen Prozess in ihren Gesprächen über „Unser Jahrhundert“ am Beispiel von Amerika verdeutlicht. In der republikanischen Partei hat sich seit Jahrzehnten ein Trend verstärkt, der sich gegen die Intellektualität der „Ostküste“ richtet. Man will diese „Intellektuellen“ nicht mehr. Entsprechend geht es in der politischen Auseinandersetzung nicht mehr um Argumente, sondern um Parolen – je emotionaler und irrsinniger, desto besser.

Man täuscht sich aber, wenn man diese Art der Dummheit allein mit einem Mangel an Intelligenz gleichsetzt. Dieser Mangel ist zwar weit verbreitet, aber es gibt auch das Gegenteil. Der Gründer und Chef der AfD, Bernd Lucke, ist hochintelligent. Auch viele seiner Mitstreiter sind es. Das Gleiche lässt sich von Nigel Farage, dem Gründer der populistischen Ukip in England sagen. In öffentlichen Debatten nimmt Farage etablierte Politiker derartig auseinander, dass man froh ist, wenn die noch auf eigenen Beinen den Saal verlassen können.

Elementare Wucht

Wie kann man diese Art der Dummheit deuten? Ist sie fehlgeleitete Intelligenz? Und ist sie gerade deswegen so gefährlich, weil sie sich mit der genuinen Dummheit, also dem eklatanten Mangel an Intelligenz, paart? Intelligenz ist verführbar und verführend. Niemand kann sie zwingen, sich für das einzusetzen, was man unter „vernünftig“ versteht: Ziele, die das Leben auf der Welt insgesamt verbessern, und die Bereitschaft, die Ansprüche anderer als gleichwertig mit den eigenen anzuerkennen.

Der Pöbel, der Parolen brüllt, ist leicht in seiner Beschränktheit zu erkennen. Es ist ja gerade diese Beschränktheit, die sich Geltung verschaffen will. Die elementare Wucht, die davon ausgeht, walzt den herkömmlichen politischen Diskurs nieder. Deswegen zeigen sich die etablierten Politiker ratlos. Aber es ist eben nicht nur dieser Pöbel. Er hat inzwischen eloquente Wortführer wie Farage und Lucke. Die bringen Argumente, die in sich völlig verstiegen sein können, sich trotzdem aber nicht ganz leicht widerlegen lassen. Es entsteht also eine unübersichtliche Gemengelage.

Zerfasernde Vernunft

Um die ganze Schwierigkeit zu verstehen, ist es sinnvoll, die Perspektive zu wechseln. Man kann fragen, ob es denn in der Politik so etwas wie „die Vernunft“ gibt. Und die gibt es leider nicht. Denn es gibt nicht „die Politik“. Es gibt Wähler, es gibt Interessen. Aber es fehlt ein Gesichtspunkt für alles. Was aus der Sicht der Ökologie sinnvoll und nötig ist, ist es aus der Sicht der Wirtschaft nicht – zumindest nicht im ersten Anlauf. Wer gegen industrielles Wachstum ist, sichert nicht jene Produktivität, die die Menschen mit Arbeit versorgt und den Sozialstaat dank Steuereinnahmen am Laufen erhält. Wer spart, um die Staatshaushalte zu sanieren, kreiert Massenelend und marode Infrastruktur, wer investiert, hinterlässt Schulden, für die sich die Jungen eines Tages noch herzlich bedanken werden.

Die Vernunft zerfasert. Gerade wenn intelligente Politiker sich mit bestem Wissen und Gewissen für ein bestimmtes Ziel einsetzen, entstehen Kollateralschäden, die ihren besten Intentionen Hohn sprechen. Und wir wissen aus trauriger Anschauung, dass gerade intelligente Politiker sich in Gemengelagen verheddert haben, die keine Ruhmesblätter der Weltgeschichte sind: Henry Kissinger und Kambodscha, Bill Clinton und Somalia, Condoleezza Rice und der Irakkrieg.

Die Torheit der Regierenden

Das ist überhaupt ein Phänomen der Weltgeschichte: „Die Torheit der Regierenden“, wie die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman eines ihrer bekanntesten Bücher genannt hat, ist nicht, wie sie in der amerikanischen Ausgabe im Titel betont, mit „stupidity“ zu verwechseln.

Heisst das nun, dass in der Dummheit von Pegida ein kluger Kern steckt, den es nur noch freizulegen gilt? Das kann nicht die Aufgabe derjenigen sein, die andere Positionen vertreten. Denken heisst urteilen. Der Dummheit muss entschieden und wiederholt entgegengehalten werden, dass sie einen Irrweg passabel machen will.

Wieder und wieder muss wiederholt werden, dass Bauchgefühle gute Sekundenträume sein mögen, sich aber nicht mit der Realität zur Deckung bringen lassen. Wer das nicht kann und will, wird sich später von einigen Mitläufern fragen lassen müssen: Warum habt ihr uns das nicht schon früher gesagt?

der autor verdrängt gekonnt, das die politik gerade alles andere als vernunftgesteuert aggiert. als beispiel dienen zB die sanktionen gegen russland. aufgrund einer agression der amis wird der präsident der ukraine entmachtet und danach fragt sich der ami, warum das land destabilisiert wurde. dann wird schnell dem russen vorgeworfen, er habe das land destabilisiert und alles wird wieder schöngeredet. doch beiben wir bei der eu. die eu verkauft gerade die eigenen bürger an den ami. vernunftgesteuert ist das mit sicherheit nicht. es führt zu einem krieg. in welcher form ist egal. jeder mit 2 gesunden gehirnzellen weiss, das man dem volk nicht alle rechte nehmen kann, ohne das dieses aufbegehrt. das man es nicht enteignen kann auf dauer. stichwort ezb. aber ja, die vernunft verliert gerade an gewicht, aber ob es wirklich an sachen wie pegida liegt? ist es nicht eher so, das pegida eine ungesunde art der reaktion aus der machtlosigkeit heraus ist? der sogenannte wähler hat keinerlei mitbestimmungsrecht in deutschland. in der schweiz verhält sich das ja zusehends genauso. das schweizer volk wählt zu über 20% svp, aber der svp werden nicht 2 bundesräte gegeben. was einer entmachtung der wählerschaft gleichkommt, da man so die stärkste macht im lande künstlich klein hält. auch das rächt sich mit der zeit. die zahlen(wähler) steigen ja von jahr zu jahr. die intelligenz der grünen, der sp und konsorten ist erschreckend klein, da diese herren sich noch immer fragen, warum die svp zulegt. doch diese herren glauben auch heute noch, sie kämen durch mit ihren notorisch hervorgebrachten lügen. es ist traurig, das der volkeswille nicht beachtet wird. auch für mich, der keiner partei angehört. das brutale ist jedoch, das ich mich mit der zeit gezwungen sehe, die svp zu wählen. da die linke grundstruktur mafiöse züge hat, welche mir extrem widderstreben.

kurz gesagt, pegida ist ein symptom einer krankheit, deren ursache in keiner form angegangen wird. es ist also obsolet, da von dummheit zu sprechen, wenn der autor selbst nicht im ansatz verstanden hat, woher die URSACHE kommt.

Die Pegida wird nicht verschwinden. Die Flüchtlingsströme
werden auch in der Zukunft nicht versiegen.
Der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine, Olexandr Turtschynow, hat die ukrainische Bevölkerung dazu aufgerufen, sich auf eine Mobilisierung vorzubereiten. Es bestehe die Gefahr, dass Russland einen „kontinentalen Krieg“ entfesselt, sagte er am Freitag in der Sendung „Chas. Pidsumky Dnia“ auf dem fünften ukrainischen Kanal.
Die nächste von der EU verursachte große Flüchtlingswelle
wird bald aus der Ukraine kommen. Es werden Ukrainer wegen
Kälte, Hunger und Kriegshandlungen kommen. Es werden
auch Krigdienstverweigerer sein. Wird man den ukrainischen
Kriegsdienstverweigerern und geflohenen Soldaten in der
EU Asyl anbieten oder wird man sie gnadenlos an die
ukrainische Justiz ausliefern?

Haben Sie mal die Liste der IQ-Ergebnisse der Angeklagten am Nürnberger Prozess angeschaut. Kaum einer unter 120! Und wem haben die Intellektuellen nicht schon hofiert? Mrs. Sartre z.B. dem hehren Stalin, etc. Ich habe zwar studiert und immer wieder dazu gelernt. Aber ich würde mich bedanken, wenn man mich als Intellektuellen bezeichnete.
Genauso möchte ich niemals ein Politiker sein. Voller Widersprüche und getreu den Lobbyisten.
Es sind eben gerade die noblen Intellektuellen und Politiker, die in ihren Oasen leben und keine Ahnung mehr haben, was dem einfachen Menschen in den Vorstädten Angst macht. Verkauft diese nur weiterhin als dumm.

Ja, Herr Scholl, 17 500 können durchaus dumm sein. Es waren schon viel mehr dumm, ganze Völker, lesen sie ein Geschichtsbuch

Der Name PEGIDA sagt aus, worum es den Demonstranten in erster Linie geht, nämlich die Islamisierung Deutschlands zu verhindern. Nein, es geht hier nicht um Dummheit oder Intelligenz, sondern um Massenwahn. Mich wundert es nicht, dass die Saat aufgeht, welche Thilo Sarrazin und etliche Politiker der regierenden C-Partei ausgesät haben.

Herr Wehowski, gut, dass Sie die Deutungshoheit haben. Sie bestimmen wer dumm ist. 17 500 Pegida Teilnehmer sind dumm, unglaublich.

Teilweise sehr treffender Artikel. Das dümmste was man machen kann, ist diese Leute nicht ernst zu nehmen. Egal für wie bescheuert man ihre Positionen auch hält. Sie werden ihrem Bauch Gehör verschaffen und je länger man das ignoriert, umso heftiger wird es geschehen.

Im Extremen schliesst sich der Kreis immer.
Sowohl die überflüssige Pegida-Bewegung als auch die genauso überflüssige Pegida-Gegenbewegung zeigt eine leider typisch Unart der Gegenwart an sich:
Sie ergötzen sich an Symptomen und sind zu feige die Ursachen zu suchen, sie klar zu benennen und sie gemeinsam zu lösen.

Leider gibt es kein Zurück mehr zur guten alten Realität. Zuviele Träume, auch Sekundenträume, blieben eben auf dem Weg zum Besseren zurück. Alternativlos, wie Viele wissen. Könnte das Unbehagen in der (EU-) Kultur auch Sehnsucht nach Bewährtem sein ? Sehnsucht nach Etwas, was mit Kopf, Herz und Hand und nicht einzig mit Verstandeswissen, das sich rechnen lässt, zu tun hat ?

Der Hauptgrund für die wüsten Beschimpfungen von Pegida, ist wohl die Befürchtung, das sich daraus eine allgemeine Protestbewegung gegen allerlei Missstände in Deutschland und der EU entwickelt. Wie z. B. astronomisch hohe Arbeitslosigkeit, Schulden ohne Ende, ausgeuferte Bürokratie, Propaganda, die weitere Aufnahme von korrupten Pleitestaaten in die EU, Terroristenunterstützung in Syrien, Kriegshetzerei und ähnliches mehr entwickelt. Die Liste lässt sich im Prinzip beliebig verlängern.

Mir wäre lieber, wenn Sie anstatt von Wut, von Zorn schreiben würden.
Viele haben "Abstiegs" Ängste und fühlen sich nicht gehört von der Politik. Sie wünschen sich mehr Mitsprache und Gestaltung.

Tatsache ist doch, dass wir lernen müssen zu teilen mit den Ärmsten auf der Welt. Das ist ökonomisch, ökologisch und sozial bestens möglich in einer Marktwirtschaft und kann problemlos gesteurt werden durch Preise. Das wäre mal eine Satz eines Politikers.

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